4. Juni – Nach einem sehr intensiven und interessanten, aber auch sehr anstrengenden Yoga Wochenende in Frankfurt bin ich nun bei Heidi in Wien angekommen und entdecke Wien ganz neu, nachdem ich vor etwa 12 Jahren zum letzten Mal hier war. Entdecke auch mich selbst ganz neu, denn ich überschaue mit einem Mal die Entwicklung, die ich in dieser Zeit gemacht habe.
Zunächst bin ich einfach nur froh, dass ich Deutschland hinter mir gelassen hab. Die Leute sind hier freundlicher und gelassener, der Autoverkehr auf der Autobahn ist dank der Begrenzung auf 130 km/h weniger stressig und weniger gefährlich als im Autoland Deutschland.
Einen großen Unterschied in der Mentalität zwischen mir und meiner österreichischen Freundin Heidi in Hinsicht auf den vorauseilenden Gehorsam wird mir bewusst.
Und ich spüre, wo der vorauseilende Gehorsam bei mir im Körper gespeichert ist, nämlich im Nacken. Nacken, Schultern und unterer Hinterkopf. Der vorauseilende Gehorsam hat mehrere Ebenen und in den drei verschiedenen Bereichen, die sich da zum Nacken zusammenfassen, sind diese verschiedenen Ebenen gespeichert. Es ist einfach großartig, jetzt plötzlich diesen Speicher für diese Gefühle zu finden, nachdem ich solange vergeblich danach gesucht habe. Denn nun ich kann den methodisch daran arbeiten. Die Empfindung als Gefühl, als psychischen Aspekt konnte ich nie ändern, sondern nahm ihn nur als sehr störend und unangenehm wahr. Denn solange der Speicher des Gefühls unentdeckt war, wurden von dort Signale an mein Gehirn gesendet und dort in die entsprechenden Gefühle übersetzt, womit der vorauseilende Gehorsam als Verhalten ausgelöst wurde und natürlich immer noch wird. So schnell ändert sich dann doch nichts daran.
Ich nehme jedenfalls an, dass die Signale aus dem Körper Speichern dort umgesetzt werden und die Gefühle des vorauseilenden Gehorsams nicht im Gehirn entstehen. Solange ich nur den Empfang der Signale wahrnehme, kann ich dem Zwang zum vorauseilenden Gehorsam nicht entgehen. Die Signale empfangen und versuchen, sie nicht in die Gefühle umzusetzen ist Quatsch. Das wäre so, als wenn ich im Regen stehe und versuche, die Regentropfen nicht abzubekommen.
Den Speicher zu bearbeiten ist natürlich eine sinnvolle Sache, auch wenn’s mühsam ist und sich vieles in mir dagegen sträubt, das zu tun. Gerade der vorauseilende Gehorsam basiert auf großer Angst und sie wirkt wie ein Zwang, den Gehorsam immer wieder zu aktivieren. Die Angst selber kommt natürlich wieder aus verschiedenen anderen Bereichen. Und wenn ich den einen Bereich befriedet habe, dann springt einfach ein anderer Bereich ein und das macht es dann so mühsam Aber es macht’s auch interessant und mit meinen Methoden und Werkzeugen, vor allen Dingen mit dem Yoga, dass ich ja alleine machen kann, werde ich wohl in den nächsten 3 Monaten ein Stückchen weiterkommen. Die Psychotherapie und die Osteopathie kann sich ja jetzt auf meiner Italienreise nicht umsetzen. Da brauch ich meine Therapeuten für und die brauche ich auch nur dann, wenn ich ein Problem angehe, was einfach zu groß für meinen aktuellen psychischen Möglichkeiten ist.
Nach circa 12 Jahren in Wien zurück zu sein ist schon eine wunderbare Sache. Zwischen 2007 und 2014 war ich jedes Jahr 3 – 4 mal für ein langes Wochenende in Wien gewesen, um bei einer großen chinesischen Meisterin Qigong zu lernen. Ich habe viel bei ihr gelernt, aber das Ganze ist nicht glücklich geendet. Und so ich hab es dann aufgegeben, weiter bei ihr zu lernen.
Jetzt bin ich wieder hier in Wien und laufe auf den bekannten Wegen. Und es kommen all die Erinnerungen an meine damalige Gefühlswelt und physische Körperstrukturempfindungen zurück. Ich hab so viel gewonnen seitdem, gelernt und verändert, auch verbessert. Es ist schon eine sehr befriedigende Sache, jetzt hier zu sein, es ist sehr befriedigend, so weit gekommen zu sein. Hier in Wien dagegen hat sich wenig verändert. Die Wiener machen ihr schönes, altes, überliefertes Wien nicht so einfach kaputt Das Café Prückel ist nach wie vor unverändert, seit fast 100 Jahren nicht neu renoviert. Die alten Sessel, die ganze Ausstattung ist noch so, wie sie war.
Der Stadtpark hat sich auch nicht verändert. Die Wiesen, die Insel und der kleine Teich, die Denkmäler, die Bäume sind noch so wie vor 12 Jahren. Es gibt immer noch sehr, sehr viele Bänke, eine Bank steht neben der anderen, so dass die Menschen wirklich Platz haben, sich hinzusetzen und auszuruhen. In Köln, im Park, da gibt es dann zwei Bänke ….
Ich bleib jetzt zwei Wochen hier. Dann fahr ich weiter Richtung Italien. Mal sehen was ich in den nächsten zwei Wochen hier noch erlebe.

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